Markus — 10. October 2006

Der gute Ton

Die eigene Erfahrung und die Gespräche mit VJ-Kollegen haben gezeigt, dass der gute Ton eine Herausforderung sind. Worauf muss man also achten, damit es nicht zu leise oder übersteuert klingt?

Grundsätzlich gilt für mich eine Faustregel. Die Atmo wird automatisch ausgesteuert (es sei denn, ich befinde mich in einem Hubschrauber oder auf einem Konzert) und die O-Töne immer MANUELL. Damit vermeide ich schon grundsätzlich das Pumpen der Automatik, sollte der Sprechende Pausen machen und außerdem liegt es dann auch nur in meiner Hand, ob der Ton stimmt oder nicht. Zum Einpegeln lasse ich mir ein bisschen Zeit. Wenn der Interviewte nicht für Sprechproben bereit steht, dann spreche ich grundsätzlich etwas lauter hinein, um mögliche Übersteuerung zu vermeiden. Bei meinen Kameras vermeide ich, dass die Ausschläge des VU-Meters in den roten Bereich kommen. Natürlich gilt es aber, beim Aussteuern und beim Interviewen Kopfhörer zu tragen. Denn nur so lassen sich mögliche Interferenzen heraushören. Wenn man dann während des Gesprächs die Sorge hat, doch zu übersteuern, dann gibt es zunächst erst einmal ein schnelles Rezept: Das Mikro etwas vom Mund des Interviewten entfernen. Am Ende des Gesprächs lohnt sich das Hereinhören in das Interview. Sollte es doch zu einer Übersteuerung gekommen sein, kann man die eine oder andere Frage noch einmal stellen und gleich auch den Bildausschnitt verändern. Damit lohnt sich die zweite Runde umso mehr.

Markus — 30. September 2006

Das Überspiel per Internet

Begonnen hat das FTP-Abenteuer vor fünf Jahren. Da horchte ich auf, als der Kollege Ulrich Sahm in Israel erste Versuche des Überspiels per Internet unternahm. In Gesprächen mit den Technikern hörte ich von Problemen, gerade was die Tonspuren und die Bildqualität anging. Die Schwachstelle war also zunächst das Programm, das aus dem digital geschnittenen Beitrag eine kompakte MPEG2-Datei machte. Motiviert durch die Möglichkeiten, die ich erahnte, suchte ich mit den Technikern bei n-tv nach Programmen und wir fanden sie. Problem gelöst, obwohl die Bildqualität noch nicht richtig gut war. Doch das nächste Problem kam sofort: Die Leitung. Im Jahr 2001 (das ist noch nicht so lange her) gab es ADSL-Leitungen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 256 Kilobits. Allerdings nur für Daten, die aus dem Internet herunter geladen wurden. Für den Versand kamen wir auf 128 Kilobit. Zwei Stunden für einen Einsdreißiger – Billiger als der Satellit war es schon, doch nicht viel mehr. Die Verbindung zum Server erfolgte schon damals kennwortgeschützt und mit einem bis heute bewährten FTP-Programm, Cute FTP. Bei einer Unterbrechung setzt das Programm an dem letzten Punkt an und beginnt nicht von vorne.

Der nächste große Schritt erfolgte im Jahr 2004, als das benutzte Schnittprogramm Pinnacle Liquid Edition seinen MPEG2-Encoder verbesserte. Mit der Version 5.62 war es also möglich, auf ein Zusatzprogramm zu verzichten und Schnitt und Umwandlung in die zu versendende Datei mit einer Software zu erledigen. In der Zwischenzeit wuchs die Leitungsgeschwindigkeit. Im Homeoffice hatte ich nun eine Versandgeschwindigkeit von rund 350 Kilobit, der Einsdreißiger brauchte nur noch 50 Minuten. Heute steht uns in Madrid eine Geschwindigkeit von verlässlichen 700 Kilobit zur Verfügung. Der Einsdreißiger braucht etwa 22 Minuten, ein Aufsager ist aber schon in weniger als 10 Minuten in Köln auf dem Server, geschwindigkeitsoptimiert durch eine reduzierte Datenrate der MPEG2-Datei. Obwohl n-tv technischen Neuerungen immer aufgeschlossen gewesen ist, galt es, besonders den Redakteuren die Vorteile und Verfahren zu erklären. Nach fünf Jahren ist es nun eine Selbstverständlichkeit, doch eben nicht nur von den Studios aus, sondern von jedem Punkt, an dem Nachrichten passieren und eine gute Internetverbindung in der Nähe ist.

Markus — 30. September 2006

Raus aus der dunklen Ecke

Videojournalismus ist salonfähig. Doch wie weit? Es ist nicht lange her, da wurde das Outing, als solcher zu arbeiten, mit hochgezogenen Augenbrauen und sogar mit Kopfschütteln abgetan. Für mich galt immer das Maßstab, Ergebnisse zu liefern wie ein klassisches EB-Team. Die Experimentierfreudigkeit einiger Sender und Redaktionen lässt jedoch den Schluss zu, dass Videojournalismus heißt, die Erwartungen mal einfach zu reduzieren. Begründet wird das dann gerne mit niedrigeren Honoraren. Muss das sein?

Markus — 22. September 2006

Videojournalist als Teil eines Teams

Einsatzort Israel. Als der Chefredakteur mir dieses Angebot am Telefon nannte, schluckte ich. Katastrophen kannte ich, Krieg jedoch aus gutem Grund nicht. Schnell wurde aber klar, dass ich diesen Auftrag nicht ablehnen konnte. Es ging nicht um die Front, sondern um die Folgen des Krieges im Land. Eine Woche Sondersendungen - täglich etwa 23 Minuten. Aus Israel Moderationen, eine Reporterschalte von wechselnden Orten und eine aktuelle MAZ. Wir würden somit etwa die Hälfte dieser 23 Minuten zuliefern, die andere Hälfte käme von anderen Reportern und würde in der Redaktion in Köln erstellt.

Das Besondere an dem Projekt: Ein Dreier-Team (Reporter, Producerin und Moderator) ohne SNG, dafür mit Kamera und Laptop. Das Zauberwort aber hieß FTP, es ging also um das Überspiel von Bildern über das Internet. Fünf Jahre nach dem ersten Versuch bei n-tv stand nun eine Probe bevor, die über Revolution oder Ernüchterung entscheiden sollte. Hätte das Internet schon jetzt das Zeug, den teueren Satelliten zu verdrängen?

Jeder Tag hatte seine Deadline. Unsere Elemente sollten gegen 17 Uhr deutscher Zeit auf dem Server liegen, wir mussten also um 15 Uhr (16 Uhr israelischer Zeit) mit dem Überspiel beginnen. Die Schwachstelle war, wie bei jeder herkömmlichen Produktion, der Überspielort. So, wie man bislang oft mühsam nach einem Studio oder einer SNG suchen musste, hieß es jetzt, einen Internetzugang zu finden, der potent genug war. Aus der Erfahrung hatte ich die Mindestanforderung auf 400 Kilobit Upload (Versandgeschwindigkeit) festgelegt.

Der schon von zu Hause aus aufgespürte Hotspot in einem Fünf-Sterne-Hotel erwies sich entgegen der Versprechen als zu langsam. Was nun? Per Zufall fanden wir eine schnelle Leitung bei einer gemeinnützigen Organisation, über die wir unser erstes Thema drehten. An der Grenze zum Libanon, in Kiryat Shmona, war es eine Firma, die uns durch persönliche Kontakte ihren Internetzugang bereitstellte. Nur in Jerusalem hielt dann eines der besten Hotels am Platze sein Versprechen, und so konnten wir mit fast einem Megabit überspielen.

Bis zu 12 Minuten pro Tag über das Internet überspielen – eine Herausforderung, die nur dadurch erreicht wurde, dass sämtliche Möglichkeiten der Technik genutzt und logistisch gedacht wurde. Auf dem Rücksitz des Autos hatte ich das Material bereits digitalisiert und teilweise auch schon geschnitten. Während bis zu sieben Minuten Moderationen ihren Weg nach Köln nahmen, blieb etwa eine Stunde Zeit, auf dem selben Laptop die MAZ zu texten und zu vertonen – papierlos versteht sich. Um die Moderationen in nur einer Stunde überspielen zu können, mussten die Dateien kleiner werden als gewöhnlich, der Datenstrom bei der Erstellung der MPEG2-Datei musste also reduziert werden. Übertragen heißt das etwa, es steht ein engerer Schlauch zur Verfügung, durch den die Bildinformationen geschickt werden und am Ende (in der MPEG2-Datei) kommt somit weniger an. Bei Bildern mit Bewegung würde so etwas die typischen Schlieren oder andere Bildfehler zur Folge haben. Bei den statischen Moderationen sah der Zuschauer nichts davon.

Nach fünf Sendungen war die Begeisterung auf allen Seiten groß. Keine nennenswerten Probleme, weder in Israel noch in Köln, sorgten dafür, dass alle eine Revolution erlebten. Ein perfektes Team gepaart mit angepassten Eigenschaften des Videojournalismus und einer zuverlässigen Technik machte diesen Field-Einsatz möglich.

Markus — 20. September 2006

Die VJ-Ausrüstung

Hier ein Überblick des Materials, das Markus verwendet:

  • JVC GY HD 101E HDV/DV-Kamera
  • SONY HVR A1E HDV/DV-Kamera
  • Mobiler und fester NLE-Schnittplatz auf Avid Liquid HDV 7.1
  • Konverter DATAVIDEO DAC-10 (DIGITAL/ANALOG)
  • FTP-Anbindung für Überspiele per Internet (statt Satellit oder Kurier)

ZUBEHÖR

  • Stativ Manfrotto
  • Kopflicht Bebob Lux (ersetzt Sachtler Reporter)
  • Funkstrecke SENNHEISER Evolution G2, Handmikro und Anstecker (2x)
  • 4-Spot-Lichtkoffer bis 600 W, dimmbar
  • SONY GV-D1000E MiniDV-Recorder
  • TFT-Monitor mit Flexarm